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Wie kann ich ein vollständiges Backup meines Android-Gerätes erstellen?

Huawei IDEOS X3 - All Backup app
Huawei IDEOS X3 - All Backup app
© Cheon Fong Liew (CC-BY)
Quelle: Flickr

Da erwägt also jemand ernsthaft, sich mit dem Thema „Backup“1 zu befassen? Eine sehr gute Idee. Irgendwann kommt garantiert der Tag, an dem man es benötigt: Irgend etwas ist gehörig schief gelaufen, und der einzige Ausweg ist ein Werks-Reset2. Womit alle Einstellungen, Apps, und auch deren Daten im Nirvana verschwinden. Also: Welche Optionen haben wir? Wie der Teaser bereits ausführte: Was uns die Hersteller mitgegeben haben, ist in den seltensten Fällen ausreichend. Meist umfasst es nicht einmal die installierten Apps und deren Daten – ganz zu schweigen von Systemeinstellungen, den gespeicherten WLAN-Zugängen, und so weiter. Sollte man sich besser darauf verlassen, was Google sichert? Darauf würde ich nicht setzen (insbesondere nicht auf den Teil der Wiederherstellung – auch wenn die Chancen mit neueren Android-Versionen und Nexus-Geräten gestiegen sind, hat der Anwender herzlich wenig Einfluss darauf, was und wann wiederhergestellt wird).

Kurz gesagt: Die vorinstallierten „Fertig-Lösungen“ kommen für ein vollständiges Backup nicht in Frage. Schauen wir daher einmal, welche Alternativen sich anbieten.

Nandroid

ClockworkMod Recovery
ClockworkMod Recovery hat ein Nandroid-Backup erstellt
(Quelle: XDA-Developers)

Ein Nandroid Backup ist die vollständigste Sicherung, die man als Anwender erstellen kann. Anstatt alle vorhandenen Dateien einzusammeln und in einem Archiv zu speichern, arbeitet dieses auf Datenträger-Ebene – und erstellt ein Speicherabbild jeder einzelnen Partition. Diese „Image Dateien“ werden sodann auf der SD-Karte abgelegt. Damit hat man dann „Klone“ aller Dateisysteme, welche nicht nur alle vorhandenen Dateien enthalten – sondern sich überdies auch zur Wiederherstellung (versehentlich) gelöschter Dateien mittels File-Carving eignen, wofür Tools wie PhotoRec oder TestDisk zum Einsatz kommen. Natürlich kann man aus diesen Images auch sein Android-Gerät genau so wiederherstellen, wie es zum Zeitpunkt der Erstellung war – einschließlich aller Apps, ihrer Daten, und sämtlicher Einstellungen.

Klingt zu gut, um wahr zu sein? Dann muss es irgendwo einen Haken geben. Und den gibt es: Um ein integeres Image zu erstellen, darf der Datenträger nicht in Benutzung sein. Daher erstellt man ein Nandroid Backup aus dem Recovery-Modus – einem separaten „Notfall-System“, welches man unabhängig vom eigentlichen Android-System booten kann. Soweit OK – aber Hersteller von Android-Geräten integrieren kein Nandroid in ihre Recoveries (so sie ihren Geräten überhaupt einen Recovery-Modus spendieren).3 Autsch. Man muss also auf so genannte „custom Recoveries“ zurückgreifen, deren bekannteste Vertreter ClockworkMod Recovery und TeamWin Recovery Project sind (es gibt jedoch noch einige weitere).

Die Installation eines „custom Recovery“ setzt zunächst einen entsperrten Bootlader voraus, was häufig mit dem Verlust der Garantie einhergeht.4 Doch so ein „custom Recovery“ ist nicht nur Voraussetzung für Nandroid oder das flashen eines custom ROM, sondern bringt auch weitere nützliche Tools mit: Man kann den Dalvik Cache bereinigen, verschiedene Probleme mit Dateisystemen beheben, und mehr. Und da dieses System auch einen ADB Daemon beinhaltet, bietet es darüber hinaus auch Möglichkeiten, mit einem nicht mehr vollständig hochfahrenden Androiden umzugehen. Also durchaus etwas, über das es sich Nachzudenken lohnt.

Titanium Backup

Titanium Backup
Titanium Backup (Quelle: TitaniumTrack)

Titanium Backup ist mit Sicherheit die bekannteste Backup-Lösung für Androiden. Tatsächlich ist es weit mehr als das, wie ein Blick auf die Feature-Matrix belegt: Natürlich lässt es uns Apps, ihre Daten, Einstellungen, und mehr sichern (und wiederherstellen). Die Kaufversion (welche jeden Cent wert ist) ermöglicht darüber hinaus Batch-Jobs, die sich auch über einen „Scheduler“ (Zeitplaner) automatisiert ausführen lassen: Etwa jede Nacht um 3 Uhr alle geänderten Daten sichern, und Sonntag nachts noch ein vollständiges Backup dazu. Mit Filtern kann man Gruppen erstellen (sollte man beispielsweise ausgewählten Apps noch eine Sonderbehandlung angedeihen lassen wollen). Titanium Backup erlaubt darüber hinaus das Bereinigen des Dalvik Cache, das „Einfrieren“ oder auch vollständige Entfernen unerwünschter Apps (einschließlich System-Apps), die Umwandlung von System-Apps in User-Apps (und umgekehrt) – oder gar das Erstellen eines Backups aller „wichtigen Apps“ in Form einer ZIP-Datei, die man dann nach einer Werksrückstellung (und optionaler Installation eines custom ROM) über o. g. Recovery-Modus flashen kann – um sofort wieder alles zur Hand zu haben.

Titanium Backup Pro war eine der ersten Android-Apps, die ich bereits vor Jahren erworben habe – und ich benutze es auch heute noch. Es hat sich als zuverlässig erwiesen, und ebenso als großartiger Helfer bei der Migration zwischen verschiedenen ROMs oder gar dem „Umzug“ auf ein neues Gerät. Da es mehrere Generationen von Backups aufhebt, konnte ich sogar auf den vorigen Stand einer App (und ihrer Daten) zurückgehen, wenn ein Update einmal etwas zerlegt (oder ich im Eifer des Gefechts einmal etwas falsch gespeichert) hatte. Und weil sicher die wenigsten jede Nacht ein Nandroid Backup anlegen5, ist TiBu auch dann eine gute Ergänzung, wenn man bereits ein (custom) Recovery mit integriertem Nandroid einsetzt.

Und wo ist nun hier der Haken? Die meisten haben es sicher bereits erraten: Um all die nützlichen Dinge tun zu können, benötigt die App root-Rechte. Man muss sein Gerät also zunächst einmal rooten – womit wir wieder beim Thema Garantie wären.

Eine einfache und verständliche Anleitung für den Start mit Titanium Backup findet sich übrigens bei Tutonaut.

ADB Backup

Wie gut, dass wir noch eine dritte Option haben. Und die ist sogar bereits auf dem Android-Gerät vorhanden und wartet nur darauf, benutzt zu werden! Vorgestellt habe ich sie bereits im letzten Jahr mit einem Artikel: ADB für Anwender. Ein paar kleine Installations- und Konfigurations-Schritte sind zwar noch nötig (im verlinkten Artikel beschrieben), aber dann kann man Apps, Daten und Einstellungen auf seinen Computer sichern – oder mit Hilfe von Helium Backup auch direkt auf dem Androiden6. Es sind weder root-Rechte noch Geräte-Modifikationen notwendig – die Garantie ist also nicht bedroht. Erfasst werden Apps, deren Daten, Systemeinstellungen – und bei Bedarf sogar die „Shared Storage“ (aka Inhalte der SD-Karte).

Haben wir jetzt also die perfekte Lösung gefunden – oder wieder einmal nur das „Kleingedruckte“ überlesen? Diese Frage stellt man sich spätestens dann, wenn die Backups einer bestimmten App immer genau 41 Bytes groß sind: Entwickler können nämlich festlegen, dass ihre Apps von diesem Backup nicht erfasst werden sollen (womit die erstellte Datei nur aus dem Backup-Header besteht). Und sollte der Entwickler der betroffenen App nicht bereit sein, diese Einschränkung aufzuheben – bleibt dem Anwender wieder einmal nur der Griff zu root-Rechten, sodass er sich das Xposed Framework mit dem Modul Backup All Apps installieren kann. Unschwer am Namen zu erkennen, schaltet dieses sodann alle Apps frei – ob das nun den jeweiligen Entwicklern gefällt oder nicht.7

Fazit

Obwohl es eine ganze Reihe von Backup-Apps für Android gibt, sind die drei oben genannten Methoden die einzigen, die uns Anwendern für ein Komplett-Backup zur Verfügung stehen. Ohne root-Rechte und Geräte-Modifikationen kommen ADB Backups einem solchen am Nächsten. Vollständigere Methoden setzen entweder root (Titanium Backup) oder ein custom Recovery (Nandroid) voraus, was in einem eventuellen Garantiefall zu Komplikationen führen kann. Persönlich würde ich es begrüßen, würden alle Hersteller für sämtliche ihrer Android-Geräte einen ähnlichen Weg beschreiten wie für Sony beschrieben. Anwender hätten damit nicht nur die Möglichkeit eines wirklich vollständigen Backups (ohne auf Drittanbieter-Lösungen zurückgreifen zu müssen) – sondern könnten ihre Geräte selbst dann noch mit aktuellen Android-Versionen (in Form von „custom ROMs“) versorgen, wenn der Hersteller dies schon längst aufgegeben hat.

appshowtosecurity


  1. Backup, das: Etwas, das man hat wenn man es nicht braucht – oder braucht, wenn man es nicht hat. Hat man es, wenn man es braucht, ist es entweder nicht lesbar – oder zumindest die wichtigste Datei auch dort kaputt. (Murphy’s Gesetz) 

  2. eng. factory-reset: Das Gerät auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. 

  3. Es gibt wenige Ausnahmen. So stellt etwa Sony für ausgewählte Geräte ein solches zur Verfügung

  4. Der Gewährleistungsanspruch bleibt dabei jedoch bestehen, was u. a. durch eine EU-Richtlinie sichergestellt ist

  5. aus welchem Titanium Backup übrigens auch einzelne Apps/Einstellungen extrahieren kann, will man nicht gleich das ganze System auf den Stand des Backups zurücksetzen 

  6. Für eine detaillierte Beschreibung sowie ein kurzes How-To, siehe im verlinkten Artikel den Abschnitt Backup & Restore. Eine ausführliche Anleitung für Helium Backup (ehemals Carbon Backup) findet sich übrigens auch bei AndroidUser

  7. Was für eine persönliche Backup-Kopie rechtlich völlig in Ordnung geht – aber keinesfalls zum „Raubkopieren“ missbraucht werden sollte! 

2015-06-02