Wieviel Verlass ist auf Malware Scans für Android Apps?
Viele Menschen und Dienste greifen für die Überprüfung von Apps auf den Service von VirusTotal zurück. Dieser hat die Scanner von über 60 Security Vendors eingebunden – was unter anderem auch das Erkennen so genannter „false positives“ ermöglicht: Schlägt ein Scanner an, alle anderen aber nicht, ist dies üblicherweise ein Hinweis auf einen Fehlalarm. Was auch VirusTotal so sieht, wie das kleine grüne Häkchen über dem Ergebnis im Screenshot belegt.
Natürlich bedeuten grüne Häkchen auch bei den jeweiligen Engines lediglich, dass nichts erkannt wurde. Sie sind keine Garantie, dass eine Datei harmlos ist.
In der Regel funktioniert das recht gut. Was aber, wenn plötzlich mehrere Scanner eine APK als böswillig (malicious/PUA1/Trojan) bezeichnen? Ist da dann etwas dran?
Bei IzzyOnDroid ist uns aufgefallen, dass dies besonders häufig bei SMS Apps passiert – insbesondere, wenn selbige auch über die INTERNET Berechtigung verfügen (z. B. für SMS Weiterleitung). Diese sind dann recht schnell als „Banking Trojaner“ markiert, sie könnten ja entsprechende Bank-SMS abgreifen2. Da die Apps quelloffen sind3, lässt sich zumindest nachvollziehen, ob der Quellcode Hinweise auf ein solches Verhalten enthält. Noch stärker wäre dieser Nachweis bei reproduzierbaren Builds, da die konkrete APK dann dem geprüften Quellcode eindeutig zugeordnet werden kann4.
Eine App ist nur sauber, wenn sie im PlayStore ist
In einem Fall5 sind wir der Sache daher auf den Grund gegangen. Der Entwickler der App hat alle betroffenen Anbieter kontaktiert, ihnen ausführliche Details gegeben, und um Korrektur gebeten. Während einige wenig später die Korrektur bestätigten, weigerte sich zumindest einer hartnäckig – mit einer interessanten Begründung:
as per our internal protocol, we are unable to proceed with the whitelisting process unless the application is available on the Google Play Store.
Zu gut Deutsch:
gemäß unseres internen Protokolls, können wir mit dem Whitelisting nicht fortfahren, solange die App nicht im Google Play Store gelistet ist.
Und das, obwohl die Tatsachen eine andere Sprache sprechen: Während mir für F-Droid und IzzyOnDroid kein belastbar dokumentierter Fall bekannt ist, der mit den immer wieder auftauchenden Malware-Funden im Play Store vergleichbar wäre6, findet man über den Play Store immer wieder Artikel über hunderte Apps, die dort gelöscht werden mussten, weil sie Millionen von Geräten infiziert hatten7. Da verwundert eine solche Aussage besonders.
Ist da was dran? Wir machen einen POC
Neugierig geworden, wollte ich einmal schauen: Was macht eine solche APK-Datei zur Malware? Für die genannte App habe ich das also einmal ausprobieren wollen:
- der Scan der originalen APK Datei brachte 7 Treffer
- die Datei in
test17.zipumbenannt, und aus dem ArchivAndroidManifest.xml,META-INF/, sowiekotlin-tooling-metadata.jsonentfernt8: 0 Treffer - analog, aber dieses Mal das
AndroidManifest.xmlim ZIP belassen: die ursprünglichen 7 Treffer sind zurück - nochmals, diesmal aber nur das
AndroidManifest.xmlaus der ZIP Datei entfernt: 0 Treffer
Ist also nur das AndroidManifest.xml „böse“? Probe auf’s Exempel: eine ZIP Datei erstellt, die ausschließlich das AndroidManifest.xml enthält: 2 Treffer – einschließlich des Anbieters, der auf einem Google Play Listing bestand. Diese Datei enthält übrigens nur die Metadaten der App (wie die App heißt, um welche Version es sich handelt, welche Berechtigungen sie benötigt, und Ähnliches); für sich allein, kann sie keinerlei Schaden anrichten.
Einige Scanner scheinen also stark bzw. nahezu ausschließlich auf Metadaten und Berechtigungen zu reagieren, und weniger/nicht auf tatsächlich schädlichen Code.
Nachdem wir mit einem Fediverse Post9, der zahlreiche Boosts und Likes bekam, der Sache etwas Aufmerksamkeit verschafft hatten, wurden plötzlich sämtliche Lämpchen grün: kein einziger Treffer mehr. Dass die App nach wie vor nicht im Google Play Store gelistet ist (und wahrscheinlich auch nie sein wird), spielte plötzlich keine Rolle mehr.
Also alles Quatsch – oder was?
Aus einem einzigen Beispiel, sollte man nicht all zu viel ableiten. Wir haben den obigen POC10 für eine weitere SMS App nachstellen wollen: Die Unterschiede waren dabei weniger dramatisch. Dennoch kann von diesem Fall mehreres gelernt werden:
- den Scan-Ergebnissen kann man nicht blind vertrauen. Sie sind Indikatoren, dass man genauer hinschauen sollte – jedoch keine verbindlichen Fakten
- einige Anbieter scheinen ihre Ergebnisse auf einer recht fragwürdigen Basis zu ermitteln (hier: K7GW); solange nur deren Scanner anschlagen, ist eher nicht mit einem tatsächlichen Befall zu rechnen
- der Fall zeigt außerdem, wie problematisch es wird, wenn ein Play-Store-Listing faktisch als Vertrauensanker behandelt wird. Dann geraten freie App-Quellen wie F-Droid oder IzzyOnDroid schnell in eine schlechtere Ausgangsposition, obwohl ein Play-Store-Eintrag für sich genommen keine Sicherheitsgarantie ist11.
Als kurzes Fazit wäre daher festzuhalten: Scanner liefern Hinweise, aber keine endgültige Bewertung.
-
PUA: Potentiell Unerwünschte Anwendung ↩︎
-
mit einem Messer kann man ja auch nicht nur Brot schneiden ↩︎
-
F/LOSS: Free/Libre Open Source Software ↩︎
-
Sowohl F-Droid, als auch IzzyOnDroid, unterstützen reproduzierbare Builds. Bei IzzyOnDroid sind derzeit mehr als zwei Drittel der Apps mit solchen abgesichert, bei F-Droid etwa ein Drittel. ↩︎
-
eine schon etwas ältere, aber in diesem Zusammenhang relevante Studie: Understanding the Security Management of Global Third-Party Android Marketplaces. Google kommt hier erst an achter Stelle – F-Droid an erster (IzzyOnDroid war damals noch „zu jung“, um berücksichtigt zu werden):
↩︎ -
aktuellere Beispiele: Google Play Store: 77 Malware-Apps mit 19 Millionen Installationen (8/2025), Malware im Google Play Store: Angriff auf deutsche Bankkunden (9/2025), Android-Malware millionenfach über Google Play verteilt (4/2026) ↩︎
-
alles Metadaten, an denen man ein ZIP als APK erkennen könnte ↩︎
-
Wer jetzt anmerkt, unsere manipulierten Dateien seien ja keine gültigen APKs mehr gewesen, hat natürlich völlig Recht – das gilt aber auch für die letzte ZIP Datei, die nur das
AndroidManifest.xmlenthielt. ↩︎ -
ähnliches ließe sich zum so genannten „Google Safe Browsing“ sagen – doch dazu vielleicht in einem zukünftigen Artikel. ↩︎



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